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Die berührungslose Gesellschaft

Ein feinfühliges Plädoyer für mehr Mut zu Verletzlichkeit und Nähe

By Elisabeth von Thadden
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Die berührungslose Gesellschaft by Elisabeth von Thadden

Sind wir alle chronisch „unterkuschelt“? Einerseits war unsere Gesellschaft noch nie so bemüht, die körperliche Unversehrtheit jedes Einzelnen zu gewährleisten. Die meisten von uns genießen den Luxus, jederzeit selbst entscheiden zu können, ob wir uns der Nähe anderer aussetzen oder lieber allein sein wollen. Andererseits fühlen sich immer mehr Menschen einsam. Sie suchen mithilfe von Apps nach Partnern, streben verkrampft nach dem perfekten Körper oder befriedigen ihr Bedürfnis nach Nähe, indem sie eine Wellnessbehandlung buchen. Was ist da los? Diese Blinks zu Elisabeth von Thaddens Die berührungslose Gesellschaft (2018) nehmen unser ambivalentes Verhältnis zu körperlicher Berührung unter die Lupe.

  • Alle, die sich fragen, warum der zwischenmenschliche Umgang in unserer Gesellschaft immer ruppiger wird
  • Menschen, die spüren, dass der spätkapitalistische Zeitgeist etwas mit dieser Entwicklung zu tun hat
  • Jeder, der sich wünscht, dass wir zu einem liebe- und respektvollen Miteinander zurückfinden

Elisabeth von Thadden wurde 1961 in Göttingen geboren. Sie ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und schreibt als Journalistin für die ZEIT. Sie hat in Freiburg studiert und ihre Dissertation zu Goethes Die Wahlverwandtschaften verfasst. Die berührungslose Gesellschaft ist ihr zweites Sachbuch nach Familiäre Gründe aus dem Jahr 2000.

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Die berührungslose Gesellschaft

By Elisabeth von Thadden
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Die berührungslose Gesellschaft by Elisabeth von Thadden
Synopsis

Sind wir alle chronisch „unterkuschelt“? Einerseits war unsere Gesellschaft noch nie so bemüht, die körperliche Unversehrtheit jedes Einzelnen zu gewährleisten. Die meisten von uns genießen den Luxus, jederzeit selbst entscheiden zu können, ob wir uns der Nähe anderer aussetzen oder lieber allein sein wollen. Andererseits fühlen sich immer mehr Menschen einsam. Sie suchen mithilfe von Apps nach Partnern, streben verkrampft nach dem perfekten Körper oder befriedigen ihr Bedürfnis nach Nähe, indem sie eine Wellnessbehandlung buchen. Was ist da los? Diese Blinks zu Elisabeth von Thaddens Die berührungslose Gesellschaft (2018) nehmen unser ambivalentes Verhältnis zu körperlicher Berührung unter die Lupe.

Key idea 1 of 9

Wir Menschen haben ein gespaltenes Verhältnis zu Berührungen.

Stell dir vor, jemand, der dir nahesteht, streichelt dir sanft die Wange. Was spürst du? Zuneigung, Trost oder gar Erregung? Und jetzt stell dir vor, jemand Fremdes fasst dir ungefragt ins Gesicht. Oder an den Po. Was fühlst du? Empörung, Scham, Wut? Eine winzige Berührung kann Nähe erzeugen und Liebe ausdrücken. Sie kann aber auch Grenzen überschreiten und Gefühle verletzen. Wie ist das möglich?

Zunächst einmal sind Berührungen überlebensnotwendig. Wir Menschen können nicht ohne Körperkontakt gedeihen. Es gibt Sinne, die bis zu einem gewissen Grad verzichtbar sind: Blinde und Gehörlose können eingeschränkt, aber selbstbestimmt leben. Der Tastsinn hingegen ist absolut unabdingbar.

Besonders beklemmende Beweise dafür stammen aus erschütternden Zusammenhängen: Die grausamen „Versuche“ des Stauferkaisers Friedrichs des Zweiten zeigten bereits im 13. Jahrhundert, dass Neugeborene die ersten Monate nicht ohne körperliche Nähe überleben. Und auch ältere Kinder, die nicht berührt werden, verkümmern, selbst wenn alle anderen körperlichen Grundbedürfnisse wie Nahrung und Obdach gedeckt sind.

Weit über diese basalen Bedürfnisse hinaus haben zärtliche Berührungen überhaupt eine ganz erstaunliche, gesundheitsfördernde Wirkung. Wir lernen bereits im Mutterleib, warme und weiche Berührungen als etwas Positives zu erleben. Studien haben wiederholt gezeigt, dass Körperkontakt schon im frühen Kindesalter die Stressresistenz erhöht. Berührungen beruhigen die Nerven und lösen körperliche Spannungen. Das stabilisiert das Immunsystem und kann sogar entzündungshemmend wirken.

Besonders bei älteren Menschen helfen Berührungen, Anspannungen und Ängste zu lösen. Außerdem wird bei angenehmem Körperkontakt das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet, was wiederum den Blutdruck senkt.

All das zeigt, wie sensibel wir auf Berührungen reagieren. Diese Empfänglichkeit macht uns natürlich auch verletzlich. Wir haben die beeindruckende Fähigkeit, visuelle sowie akustische Reize nahezu vollkommen ignorieren zu können, aber ein Berührungsreiz bleibt niemals unbemerkt. Egal, wie schwach er ist, unser Abwehrsystem reagiert darauf innerhalb von Millisekunden und entscheidet, ob er Gefahr darstellt oder nicht.

Und genau hier liegt der Hund begraben: Wir haben ein wahnsinnig feines Gespür dafür, ob eine Berührung gut für uns ist oder nicht. Je bewusster wir uns dieser Grenze sind, desto stärker wollen wir sie schützen. Das kann aber auch bedeuten, dass wir uns überängstlich in die Isolation zurückziehen, die uns eine zunehmend individualistische Gesellschaft als Möglichkeit bietet.

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