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Bad Company

Meine denkwürdige Karriere bei der Wirecard

By Jörn Leogrande
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Bad Company by Jörn Leogrande
Synopsis

Die Wirecard AG steht für den größten Börsenskandal Deutschlands. Jörn Leogrande war von 2005 bis 2020 in verschiedenen leitenden Positionen im Unternehmen tätig. In den Blinks zu Bad Company (2021) zeigen wir dir den Arbeitsalltag bei der Wirecard AG aus der Insiderperspektive. Du lernst die Strukturen, Arbeitsweisen und die schillernden Persönlichkeiten kennen, die das Unternehmen letztlich ruinierten.

Key idea 1 of 9

Das Königreich des Paul Bauer-Schlichtegroll

Sommer 2005, Grasbrunn. Ein Gewerbegebiet in der Peripherie von München, viel Beton, viele PS-strotzende Autos auf den Firmenparkplätzen. Jörn Leogrande, freiberuflicher Marketingberater für B2B-Kunden, hat ein Vorstellungsgespräch bei Wirecard, einem Zahlungsabwickler für Onlineshops.

Leogrande hat eine Frau und zwei kleine Kinder. Bisher hat er es nicht geschafft, Karriere zu machen oder als Selbstständiger die wirklich interessanten Kunden an Land zu ziehen. Darum will er jede Chance ergreifen, die sich ihm bietet. Erst später versteht er, dass er damit genau jenem Verlierertyp entspricht, den Wirecard bevorzugt einstellt: Quereinsteiger und ambitionierte Amateure, die zu sehr mit der Kompensation ihrer fehlenden Qualifikationen beschäftigt sind, um Dinge zu hinterfragen.

Sein erster Chef und zukünftiger Mentor in der Marketingabteilung ist „Simon aus Berlin“. Auch sonst sind Nachnamen im Unternehmen eher verpönt. Markus Braun und Jan Marsalek sind bereits an Bord. Der wirkliche König im Unternehmen ist zu dieser Zeit jedoch Paul Bauer-Schlichtegroll. Er hatte Ende der 1990er-Jahre mit der EBS die Vorläuferin der Wirecard AG gegründet. Paul ist dafür bekannt, erst gegen elf bei der Arbeit aufzutauchen und als Erstes in Simons Büro einen Joint zu rauchen. Er wirkt wie ein profitorientiertes, planlos wirkendes Multitalent.

Sein Auftrag an Leogrande: aus Wirecard eine Marke zu machen. Weg vom leeren Tech-Gelaber, hin zu einem coolen und internationalen Unternehmen, auf Augenhöhe mit deutschen Vorzeigeunternehmen wie SAP und Lufthansa. Größenwahn als Vision.

Das Problem: Um Geld zu verdienen, hatte Bauer-Schlichtegroll sich früh auf die Zahlungsabwicklung für das überaus profitable Online-Porno- und Glücksspielgeschäft spezialisiert, das in einer rechtlichen Grauzone operierte. Doch je größer das Risiko, desto sprudelnder der Profit. Die Lösung: Wirecard nutzt Hunderte von Scheinfirmen, über die es seine zunehmend illegalen High-Risk-Transaktionen abwickelt.

Das führt zum nächsten Problem: Der Content passt nicht zu Wirecards Vision. Trotzdem muss Leogrande zusehen, dass er die Business- und Storyline des Unternehmens marketingtechnisch irgendwie zusammenbekommt. Er erkennt früh: Das funktioniert nur durch Bullshitting und indem man seinen moralischen Kompass anpasst. So tickten auch seine Kollegen.

Das Businessmodell mit den Scheinfirmen geht so lange gut, bis 2007 die USA ihre Gesetze durch den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act verschärfen, sodass jegliche Art von Zahlungsabwicklung für Online-Glücksspiele illegal wird.

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